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Dienstag, 18.12.2007, 18:24:48 Uhr

Als ich noch Zigeuner war


Eine Buchempfehlung von Helge Lindau

Der Büchermarkt wird überschwemmt von Potters; Genitiven die dann auch schon mal den Dativ töten, von weißen Negern, die sich dann als weiße Nebel entpuppen... Auch der Jakobsweg ist ganz schön ausgelatscht... Gespannt warten auch viele Leser auf das "Neue" von Dan Brown. (Obwohl ich die etwas unbekannteren Bücher des Hannoveraners Jörg Kastner wesentlich spannender finde.)
Nach soviel Literaturtrash, ist es an der Zeit, mal wieder ein gutes Buch zu empfehlen:

Wer kann das Leben der Roma besser beschreiben als ein Rom selbst. Der Schriftsteller Tamás Jónás ist ein ungarischer Rom, der schon als Kind wusste, dass er Dichter werden würde, so wie seine Schwester eine Hure wurde. Er erzählt in seinem Buch "Als ich noch Zigeuner war", von seinem Leben als Kind, vornehmlich in Romasiedlungen und Kinderheimen. Seine Geschichte fesselt den Leser, in dem er mal melancholisch, dann wieder nüchtern, immer aber sehr nachvollziehbar, die Situationen in seinem Kinderleben beschreibt. Manche Absätze des kleinen Erzählbandes wirken so realistisch, dass man sich fast körperlich Mitten im Geschehen wähnt.

„...Meine Eltern hatten sich verschuldet. Damals kam man für Schulden noch ins Gefängnis. Sie – und wir auch. Mich brachte man in die Kinderstadt von Miskolc, in ein Kinderheim. Mama brüllte und weinte hinter den Gefängnisgittern, man solle ihr doch die Kinder nicht wegnehmen. Ein Mann mit hässlichem Gesicht wollte mich trösten, es würde mir gut gehen an dem neuen Ort, es gäbe Autos dort und viele Freunde. Autos gab es tatsächlich. Und auch viele, schon gebrochene Kinder. Sie führten hässliche Worte im Mund und sie sagten, sie wären schon seit Jahren hier und sowieso würde sie niemand abholen kommen, und einem der Buben zum Beispiel hätte man den Vater umgebracht...“


Schade ist eigentlich nur, dass das Buch lediglich 220 Seiten hat. Ich hätte gern mehr vom ungarischen Romaleben vor 25 Jahren gelesen und bin mir sicher das der Autor noch eine Menge zu erzählen hat.

Titel: Als ich noch Zigeuner war
Autor: Tamás Jónás
Übersetzung: Clemens Prinz
Verlag: Kortina Verlag Budapest 2006

Ich schalte hier keinen Link auf Amazon.de oder irgend einen anderen Online Buchdienst.
Nehmen Sie sich einfach einmal die Zeit, und gehen Sie in die kleine Buchhandlung an der Ecke, und bestellen Sie sich dort das Buch. Dies hilft der kleinen Buchhandlung und Ihrer Gesundheit...
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Kommentare zum Beitrag "Als ich noch Zigeuner war "

Kommentar von Clemens Prinz
es gibt inzwischen noch ein buch von tamás jónás auf deutsch: es trägt den titel fünfunddreißig und ist bei dem wiener verlag edition abrasch erschienen.



Thema: Allgemein

Der Beitrag "Als ich noch Zigeuner war " wurde 1924 mal gelesen.

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es gibt inzwischen noch ein buch von tamás jónás auf deutsch: es trägt den titel fünfunddreißig und ist bei dem wiener verlag edition abrasch erschienen.
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Von: Fotowelt Ralf Thiele
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ihre seite ist eine offenbarung - großes kompliment - bei möglichen gegenbesuch meiner seite, bitte keinen gästebucheintrag. wollte wirklich nur meiner bewunderung ausdruck verleihen. einen lieben gruß. ihr ralf thiele
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